Ende Juni, Folkestone, Leas Cliff Hall. VEGA öffnet mit Marlene on the Wall — nicht mit einem der neueren Stücke, nicht mit dem offensichtlichen Crowd-Pleaser. Mit dem alten Versprechen. Und dann, Stunde später, Luka. Beide Songs nebeneinander: das ist kein Zufall. Das ist eine Aussage darüber, woher jemand kommt und was er nicht loslassen will.
Jetzt kommt diese Energie nach Deutschland. Und die Tourstopps lesen sich nicht wie ein Pflichtprogramm.
Was die englischen Setlists verraten
Wer die Abende in Folkestone und Salisbury vom 23. und 24. Juni 2026 verfolgt hat, konnte eine bemerkenswert stabile Setlist beobachten — und Stabilität bei einem Live-Programm ist kein Zeichen von Fantasielosigkeit. Es ist Kalkül. 99.9 F° früh im Set, The Queen and the Soldier als emotionaler Mittelpunkt, Tom's Diner als der Moment, in dem das Publikum aufhört, Konzertbesucher zu sein, und anfängt, mitzusummen, ohne es zu merken. Zum Abschluss Rosemary — kein Triumphfinale, sondern ein stilles Ausklingen.
Was Newport am 21. Juni 2026 zeigte, war eine leicht abgewandelte Version: When Heroes Go Down / Lipstick Vogue tauchte auf, Caramel nicht. Das deutet auf ein Set hin, das sich je nach Raum und Stimmung anpasst — kein einbetoniertes Programm, sondern ein lebendiges.
Wer Luka gespielt hat und danach Walk on the Wild Side als Cover einsetzt, schreibt gerade seine eigene Tradition um.
Offenbach, Frankfurt, Deutschland — die geografische Logik dieser Tour
VEGA ist in Offenbach aufgewachsen, hat die meiste Zeit seines Lebens dort verbracht, hat zwischen der Nordweststadt Frankfurt und Offenbach pendelt — zwischen zwei Orten, die geografisch nah beieinander liegen und kulturell trotzdem eine eigene Reibung erzeugen. Dass Frankfurt auf dieser Tournee gleich dreimal auftaucht — 10., 11. und 12. September 2026, drei Abende hintereinander — ist deshalb keine touristische Entscheidung. Es ist eine Rückkehr in den eigenen Ursprung, und zwar mit Nachdruck.
Drei Abende in einer Stadt: Das machen Künstler, die dort etwas zu sagen haben, das sich nicht in zwei Stunden erschöpft. Oder die wissen, dass das Publikum dort anders zuhört.
Der Rest der Tourroute zeichnet eine klassische Nord-Süd-Achse durch die Republik: Hamburg und Hannover zum Auftakt im September, dann das Rheinland mit Münster und Köln, Berlin und Leipzig als östlicher Schwenk, Stuttgart und München zum Abschluss der Herbstrunde. Und dann noch einmal Frankfurt, am 19. Dezember 2026 — diesmal als Weihnachts-Akustik-Show. Leise rieselt der Schnee steht im Titel. Das ist entweder sehr selbstbewusst oder sehr ehrlich. Wahrscheinlich beides.
Die Tourdaten im Überblick
- →Fr., 4. September 2026 — Hamburg décompte
- →Sa., 5. September 2026 — Hannover décompte
- →Do., 10. September 2026 — Frankfurt am Main décompte
- →Fr., 11. September 2026 — Frankfurt am Main décompte
- →Sa., 12. September 2026 — Frankfurt am Main décompte
- →Fr., 18. September 2026 — Münster décompte
- →Sa., 19. September 2026 — Köln décompte
- →Fr., 25. September 2026 — Berlin décompte
- →Sa., 26. September 2026 — Leipzig décompte
- →Fr., 2. Oktober 2026 — Stuttgart décompte
- →Sa., 3. Oktober 2026 — München décompte
- →Sa., 19. Dezember 2026 — Frankfurt am Main (Weihnachts-Akustik-Show) décompte
Zwei Alben, eine offene Frage
2025 erschienen gleich zwei neue Alben: Einstein on the Beach und Flying With Angels. Letzteres hat bereits Eingang in die Live-Sets gefunden — Flying with Angels tauchte in Folkestone und Salisbury auf, eingeklemmt zwischen The Queen and the Soldier und Speakers' Corner. Eine bewusste Platzierung: neues Material, das sich nicht verteidigen muss, sondern einfach da ist.
Wie viel von Einstein on the Beach die Deutschland-Tour prägen wird, bleibt abzuwarten. Die englischen Setlists geben darüber noch keine Auskunft. Das ist die eigentlich spannende Frage für September.
Tickets für den Tourauftakt in Hamburg gibt es bereits — Tickets sichern.
