Am 28. Mai 2026 spielte SOPHIA im Lodge Room in Los Angeles. Fünf Songs. Darunter Everyone Falls Asleep In Their Own Time und Bitches Talk Shit. Die Kombination sagt mehr als jedes Pressestatement: Schlaf und Rohheit, Erschöpfung und Direktheit, nebeneinander, ohne Entschuldigung. Wer nach diesem Abend noch dachte, es gehe bei dieser Tour um harmonisches Open-Air-Feeling, hat nicht zugehört.
Was die Setlists verraten – und was sie verschweigen
Die letzten Auftritte zeichnen ein uneinheitliches, deshalb interessantes Bild. Denver, 9. Juli 2026, UMB Bank Amphitheater in den Botanic Gardens: circle the drain als Einstieg, dann Scorpio Rising. Ein Opener, der buchstäblich vom Abrutschen handelt – kein sanfter Einstieg, kein Warm-up für die Menge. Das ist eine Entscheidung. Wer so beginnt, will nicht gefallen, sondern positionieren.
Los Angeles wiederum zeigte eine andere Schichtung. Molly In The Club neben I'd Rather Be Yours Than Mine – Clubnacht gegen Sehnsucht, zwei Temperaturen im gleichen Abend. I'll Take It als Abschluss: kein triumphaler Rausschmeißer, eher eine stille Behauptung. Ich nehme es. Was auch immer das bedeutet.
SOPHIA öffnet Konzerte mit Songs über das Scheitern – und schließt sie mit Sätzen, die klingen wie ein Kompromiss mit sich selbst.
Victoria am 10. Juli, Phillips Brewing and Malting Co.: keine Setlist-Daten verfügbar, aber der Ort ist bezeichnend. Eine Brauerei als Bühne. Kein Konzertsaal, keine gesichtslose Halle. Das Muster ist konsistent: SOPHIA sucht Räume mit Eigencharakter.
Deutschland im Sommer – warum gerade diese Städte
Die Tournee, die ab dem 24. Juli durch Deutschland führt, trägt den Namen Durch die Blume. Der Titel ist programmatisch: etwas sagen, ohne es direkt zu sagen. Blumige Umschreibung als Kunstform. Das passt zu einer Musik, die nie plakativ war.
Die Stationsauswahl ist aufschlussreich. Würselen, Wunsiedel, Wiesmoor, Thale – das sind keine Metropolen. Nürnberg bekommt zwei Abende (28. und 29. Juli), Bochum und Aschaffenburg folgen im August, Gera und Thale beschließen die Tour im September. Diese Geografie hat wenig mit Booking-Kalkül zu tun. Es ist eine Tournee, die Mittelstädte ernst nimmt. Potsdam am 1. August, Calw am 3. August – Orte mit Geschichte, mit eigenem Rhythmus, keine austauschbaren Stopps auf der A-Route.
Lüneburg sticht heraus: Am 8. August teilt SOPHIA die Bühne mit Gregor Meyle – ein Doppelkonzert, das auf den ersten Blick überrascht. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Wer sich nicht in eine Schublade stecken lässt, spielt auch da, wo man ihn nicht unbedingt erwartet.
Open Air als Format – kein Zufall
Fast alle Termine tragen den Zusatz Open Air. Das ist mehr als Logistik. Draußen spielen bedeutet: kein Hallenhall, der kaschiert. Keine Lichtshow, die ablenkt. Wer im Freien steht, steht exponiert. Die Musik muss für sich selbst sprechen.
SOPHIA, seit 1994 aktiv, hat Jahrzehnte im Pop-Rock- und Visual-Kei-Spektrum verbracht. Die aktuellen Live-Entscheidungen – direkte Opener, ungeschönte Songtitel, ungewöhnliche Spielorte – legen nahe, dass es hier nicht um Rückschau geht. Die Band läuft nicht durch ihre Geschichte. Sie läuft vorwärts, auch wenn der Kurs manchmal aussieht wie ein Umweg.
Für den Auftakt in Würselen am 24. Juli gibt es Tickets kaufen – wer die Setzliste der letzten Wochen als Anhaltspunkt nimmt, sollte früh da sein.
Alle Termine auf einen Blick
- →Fr., 24. Juli 2026 — Würselen décompte
- →Di., 28. Juli 2026 — Nürnberg décompte
- →Mi., 29. Juli 2026 — Nürnberg décompte
- →Sa., 1. August 2026 — Potsdam décompte
- →Mo., 3. August 2026 — Calw décompte
- →Fr., 7. August 2026 — Wiesmoor décompte
- →Sa., 8. August 2026 — Lüneburg décompte
- →Mo., 24. August 2026 — Bochum décompte
- →Mi., 26. August 2026 — Aschaffenburg décompte
- →Do., 27. August 2026 — Wunsiedel décompte
- →Sa., 19. September 2026 — Gera décompte
- →So., 20. September 2026 — Thale décompte
