Am 28. August 2026 schlossen die Filmnächte am Elbufer in Dresden mit „Maschine" — nicht mit „Geboren um zu leben", nicht mit „Große Freiheit". Wer Unheilig kennt, weiß, was das bedeutet: Der Graf hat keine Lust mehr auf die geordnete Abfolge. Das neue Album Liebe Glaube Monster (2026) hat etwas verschoben, und die laufende Tournee macht das hörbar.
Was die Setlists aus dem Sommer verraten
Dresden, Hamburg, Burg Clam in Klam, Graz — der Sommer 2026 war für Unheilig kein Probedurchlauf. In Dresden am 28. August spielte die Band ein Set, das sich wie ein Querschnitt durch zwei Jahrzehnte anfühlte: „Wieder zurück" als Opener, dann „Feuerengel", „Abwärts", „Brot und Spiele" in der Mitte — und am Ende, statt des erwartbaren Triumphauftritts mit „Große Freiheit", eben „Maschine". Das ist programmatisch. Der Klassiker „Große Freiheit" tauchte zwar im Set auf, aber nicht als Rausschmeißer. Die Reihenfolge sagt: Wir sind nicht hier, um euch mit dem Bekannten zu entlassen.
In Klam, bei der Burg Clam, klang das Set kompakter: „Spiegelbild", „Feuerengel", „Mein Stern", „Wind der Veränderung", „Geboren um zu leben". Kein „Lichter der Stadt", kein „Wunderschön". Die Open-Air-Bühne diktiert andere Gewichte. Interessant dabei: „Geboren um zu leben" — der kommerziell erfolgreichste Moment der Bandgeschichte, verknüpft mit dem Album Große Freiheit von 2010 — landete in Klam, tauchte in Dresden aber nicht im Set auf. Der Graf dosiert bewusst.
Wer „Maschine" als Closer wählt statt „Große Freiheit", sendet eine klare Botschaft: Die Vergangenheit ist Referenz, kein Programm.
Aachen, 1999 — und was seitdem passiert ist
Unheilig ist ein Aachener Projekt, entstanden 1999 um den Sänger und Songschreiber Der Graf. Was 1999 als Synth-Rock-Experiment begann — das Debütalbum Phosphor enthielt noch englische Texte — hat sich über die Jahre in etwas verwandelt, das sich stilistisch kaum noch eindeutig einordnen lässt. Gothic Rock, Neue Deutsche Härte, Pop-Ballade: Unheilig hat das alles gemacht, und Liebe Glaube Monster (2026) ist das bislang jüngste Kapitel dieser Entwicklung. Seit 2003 produziert Der Graf die Musik alleine — als Sänger, Songschreiber und Produzent in einer Person. Für Live-Auftritte kommen Gastmusiker dazu. Das erklärt die Flexibilität der Sets: Es gibt keinen Bandwillen zu verhandeln, nur einen künstlerischen Kompass.
Die Tournee 2027: Berlin, Hamburg, Trier, Rostock, Halle
Wer die Tourdaten für 2027 liest, sieht eine interessante geografische Entscheidung. Berlin kommt gleich zweimal — im Januar, und dann nochmals im Februar. Hamburg im Januar. Trier im Februar, ebenfalls mit zwei Terminen am selben Tag (19. Februar), was auf unterschiedliche Ticket-Kategorien hindeutet: einmal „Special Guests Premium Seats", einmal ohne den Premium-Zusatz. Dann eine lange Pause, bevor im Spätsommer die zwei abschließenden Termine folgen: Rostock am 21. August und Halle (Saale) am 11. September 2027 — beide explizit als Meilenweit Tour — Das Liebe Glaube Monster Finale ausgewiesen.
Das ist keine zufällige Geografik. Rostock und Halle sind keine Konzertmetropolen im klassischen Sinne — sie sind Signale. Wer eine Tournee in Rostock und Halle beendet, beendet sie bewusst abseits der großen Hallen. Das passt zu einer Band, die 2001 auf dem Wave-Gotik-Treffen spielte, lange bevor der Mainstream anklopfte.
- →Do., 7. Januar 2027 — Berlin Countdown
- →Do., 7. Januar 2027 — Berlin Countdown
- →Fr., 29. Januar 2027 — Hamburg Countdown
- →Sa., 6. Februar 2027 — Berlin Countdown
- →Fr., 19. Februar 2027 — Trier (Premium Seats) Countdown
- →Fr., 19. Februar 2027 — Trier Countdown
- →Sa., 21. August 2027 — Rostock (Meilenweit Tour Finale) Countdown
- →Sa., 11. September 2027 — Halle (Saale) (Meilenweit Tour Finale) Countdown
Warum jetzt der richtige Moment ist, hinzugehen
Der Graf ist seit 1999 aktiv. Das macht ihn nicht automatisch interessant — Beständigkeit ist keine Tugend, wenn nichts dahintersteckt. Was die Sommershows 2026 gezeigt haben: „Spiegelbild", „Wunderschön", „Du bist meine Heimat", „Wie in guten alten Zeiten" im selben Set wie „Brot und Spiele" und „Abwärts" — das ist kein Best-of-Reflex, das ist eine Bestandsaufnahme. Liebe Glaube Monster gibt der Tournee einen Rahmen, der älter ist als das neue Material und trotzdem durch es hindurchscheint.
Wer in Berlin, Hamburg oder Trier dabei ist, bekommt eine Band, die ihre eigene Diskografie nicht als Museum verwaltet. Und wer bis Rostock oder Halle wartet — das Finale der Meilenweit Tour im Spätsommer 2027 — der erlebt möglicherweise den Abschluss eines Zyklus, der 2026 begonnen hat. Das kann man abwarten. Oder man sichert sich jetzt Tickets für Berlin und schaut selbst nach, was „Maschine" als letzter Song bedeutet, wenn man dabei ist.
