Wenn eine Band nach sieben Jahren Pause mit zwei neuen Mitgliedern auf die Bühne zurückkehrt, stellt sich eine fundamentale Frage: Ist das noch dieselbe Band? Bei Linkin Parks "From Zero World Tour" wird diese Frage nicht philosophisch, sondern ganz praktisch beantwortet – Song für Song, Abend für Abend. Im Juni stehen Hamburg und München auf dem Programm einer Tournee, die mehr als nur eine Rückkehr ist: Sie ist ein Neubeginn.
Die neue Stimme im alten Gefüge
Emily Armstrong, die Sängerin der Post-Hardcore-Band Dead Sara, übernimmt Chester Benningtons Part – eine Aufgabe, die unmöglich erscheint und doch funktionieren muss. Ihre ersten Auftritte zeigen: Armstrong singt nicht Bennington nach, sie interpretiert neu. Bei ihrem Auftritt am 18. März in Auckland eröffnete die Band mit "Somewhere I Belong", einem Track, der ursprünglich Mike Shinodas ruhige Verse mit Benningtons explosiven Refrains kontrastierte. Wie Armstrong diese Dynamik übersetzt, wird entscheidend sein für das, was Linkin Park 2026 bedeutet.
Nach sieben Jahren Pause ist Linkin Park eine andere Band – die Frage ist nur: eine bessere?
Colin Brittain am Schlagzeug ersetzt Rob Bourdon, der sich gegen die Reformation entschied. Brittain bringt Erfahrung mit Papa Roach und Five Finger Death Punch mit – Bands, die dem Nu-Metal nie den Rücken gekehrt haben. Das zeigt sich in den Setlists: Songs wie "Points of Authority" und "Faint" bekommen neue rhythmische Akzente, während "The Emptiness Machine" – vermutlich vom neuen Album – zeigt, wohin die musikalische Reise geht.
Was die Setlists verraten
Die bisherigen Konzerte lesen sich wie eine Bestandsaufnahme: "Lying From You" und "Easier To Run" stehen neben Raritäten wie "Figure .09", einem Track vom Meteora-Album, der live selten gespielt wurde. Bei ihrem Auftritt in Ronkonkoma am 28. März spielten sie auch "No More Sorrow" – einen Song, der Benningtons Stimmgewalt in Reinform präsentierte. Dass Armstrong sich an diese Titel wagt, zeigt Mut. Dass sie funktionieren, zeigen die Reaktionen.
Interessant ist auch, was fehlt: Keine Balladen, kein "One More Light", stattdessen die härteren Nummern aus der Hybrid-Theory- und Meteora-Ära. Die Band scheint bewusst zu ihren Nu-Metal-Wurzeln zurückzukehren – oder Armstrong kann diese Songs einfach besser verkaufen als die introspektiveren späteren Werke.
Deutschland im Fokus
Hamburg und München – je zwei Abende, was für ausverkaufte Arenen spricht. Deutschland war schon immer ein wichtiger Markt für Linkin Park, hier landeten sie bereits mit dem Debüt "Hybrid Theory" auf Platz eins der Charts. Die Termine im Juni werden zeigen, ob die neue Besetzung das deutsche Publikum überzeugen kann. Tickets sichern sollte, wer dabei sein will – die Neugier ist groß.
- →1. Juni 2026 — Hamburg décompte
- →3. Juni 2026 — Hamburg décompte
- →11. Juni 2026 — München décompte
- →12. Juni 2026 — München décompte
Von null auf neu
Der Tournee-Titel "From Zero" ist Programm. Nach Benningtons Tod 2017 schien Linkin Park Geschichte zu sein. Dass Mike Shinoda, Brad Delson, Joe Hahn und Dave Farrell den Neustart wagen, spricht für ihren Glauben an die Musik – und an Armstrong. Die Sängerin muss nicht nur eine Stimme ersetzen, sondern eine Ära neu definieren.
Die bisherigen Konzerte zeigen: Das kann funktionieren, wenn man nicht versucht, das Unmögliche zu kopieren, sondern etwas Neues zu schaffen. Linkin Park 2026 ist nicht die Band von 2000 oder 2017. Sie ist etwas anderes – und vielleicht ist das genau richtig.

