Adams macht keine schlechte Musik – er macht nur keine aufregende mehr.
## Deutschland im Herbst: Eine nostalgische Reise Die Deutschland-Termine der Tour lesen sich wie ein Rundkurs durch die Republik: Rostock am 30. September, Berlin am 2. Oktober, Köln tags darauf. München und Nürnberg folgen, Bremen schließt ab. Fünf Städte, die Adams alle schon dutzendfach bespielt hat – und das merkt man. Wer Tickets kaufen will, kann sich auf eine solide, aber wenig aufregende Show einstellen. Adams singt seine Lieder noch immer korrekt, seine Band ist professionell, die Produktion funktioniert. Aber der Funke, der einst "Summer of '69" zu einer Hymne machte, flackert nur noch schwach. ## Der Fotograf als Ausweg Interessanter als seine aktuelle Musik ist Adams' zweites Leben als Fotograf. Seit 2006 mehrfach ausgezeichnet, gründete er 2004 das Zoo Magazine in Berlin und plant dort ein "Lebens- und Kulturzentrum" in Oberschöneweide. Als Veganer und PETA-Unterstützer hat er sich eine Identität jenseits der Musik aufgebaut – vielleicht die ehrlichere. Seine Fotografie zeigt eine Kreativität und Neugier, die seiner aktuellen Musik fehlt. Während "Can't Stop This Thing We Started" zum hundertsten Mal über die Bühne geht, entstehen in seinem Berliner Atelier Bilder, die tatsächlich etwas riskieren. ## Warum trotzdem hingehen Trotz aller Kritik: Bryan Adams live zu erleben bedeutet, einem Stück Musikgeschichte beizuwohnen. Seine 3 Millionen Last.fm-Hörer und vier Jahrzehnte Karriere sprechen eine deutliche Sprache. Wer "Summer of '69" noch nie in einer Halle voller Menschen gehört hat, sollte die Chance nutzen – auch wenn es wahrscheinlich die letzte sein wird. Die "Roll with the Punches"-Tour ist keine Feier, sondern ein Abschied auf Raten. Adams rollt mit den Schlägen, wie der Titel verspricht. Aber er teilt keine mehr aus.concert2 Min. Lesezeit
Bryan Adams kehrt nach Deutschland zurück – und klingt müder
Wenn Bryan Adams am 7. Mai in Casablanca "Run to You" anstimmte, klang es wie eine Routine. Nicht schlecht – aber eben routine. Der 66-jährige Kanadier mag immer noch über 100 Millionen verkaufte Alben auf seinem Konto haben, doch seine "Roll with the Punches"-Tour offenbart einen Künstler, der mehr Vergangenheit als Zukunft mitbringt. Ab Ende September macht Adams Station in Deutschland, und die Frage ist nicht, ob er seine Hits spielen wird – sondern mit welcher Überzeugung.
## Was die jüngsten Auftritte verraten
Die Setlists aus Marokko und Montreal erzählen eine Geschichte der Bequemlichkeit. "Let's Make a Night to Remember", "It's Only Love", "Please Forgive Me" – Adams spult sein Greatest-Hits-Programm ab wie ein Jukebox-Automat. Interessant wird es nur beim französischen "Me voilà", einem Seitensprung, der zeigt, dass Adams durchaus noch experimentieren könnte. Tut er aber nicht.
Stattdessen endet jeder Auftritt mit "This Time", einem soliden, aber vorhersehbaren Schlussstück. Keine Überraschungen, keine spontanen Momente, keine Risiken. Für einen Musiker, der einst Rock-Stadien zum Beben brachte, wirkt das ernüchternd konservativ.
